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Der Mediator erspart Geld, Zeit und Nerven bei Erbauseinandersetzungen  zurück
strichel_hori
(veröffentlicht in Mallorca Zeitung, 2001)

Vermittelnd Konflikte lösen, das ist die Aufgabe des Mediators. Bekannt geworden ist die Mediation bei der Bewältigung von Scheidungssituationen, mittlerweile hat sich dieses Instrumentarium auch bei der Nachlassauseinandersetzung und bei der Regelung der vorweggenommenen Erbfolge bewährt.

Gesprächsbereitschaft ist Voraussetzung
Die Psychologie hat erkannt dass 90 % der Konflikte auch oder allein auf Missverständnissen beruhen. Besteht seitens der Mitglieder einer Erbengemeinschaft und sonstigen Anspruchsberechtigten wie Vermächtnisnehmen und Pflichtteilsberechtigten die Bereitschaft sich an einen Tisch zu setzen und ernsthaft eine ausgewogene Lösung zu suchen, so hat der Mediator gute Erfolgschancen bei seiner Tätigkeit.

Die Aufgabe des Mediators ist komplex
Die Aufgabe des Mediators ist eine anspruchsvolle, systematisches von Fachwissen getragenes Vorgehen ist gefragt. Neutralität wird vom Mediator ebenso gefordert wie Verschwiegenheit. Führt die Mediation nicht zum gewünschten Erfolg der Konfliktbewältigung so ist es dem Mediator untersagt als Rechtsanwalt die Interessen einer der Parteien zu vertreten. Im Mediationsvertrag können sich zudem alle Parteien verpflichten auf eine Zeugenbenennung des Mediators im Falle eines sich anschließenden Gerichtsverfahrens zu verzichten.

Das Streitpotential beseitigen und den Kuchen größer machen
Die fatalen, oft über Generationen hinaus andauernden, Erbengemeinschaftsstreitigkeiten vernichten nicht nur ein großes Maß an Lebensqualität sondern oft schrittweise auch den materiellen Wert des Erbes.

Das sind zum einen die nicht unerheblichen Prozesskosten über mehrere Instanzen. Oft führt die zeitliche Verhinderung der wirtschaftlichen Verwertung von Vermögensgegenständen aber auch zu deren Unverkäuflichkeit oder nutzlosen Unterhaltungskosten.

Ganz im Gegenteil hierzu ist es die Aufgabe des Mediators durch gezielte Befragung die Möglichkeiten optimaler wirtschaftlicher Verwertung mit den beteiligten herauszuarbeiten und so die Vermögenswerte des Erbes praktisch zu "erhöhen".

Streitpotentiale werden oft dadurch abgebaut, dass die eigenen Erwartungen und Befürchtungen der Beteiligten wahrgenommen und gemeinsam auf Ihr Fundament hin abgeklopft werden.

Nur Gewinner statt lauter Verlierer
Das ist die Zielrichtung einer Mediation. Zeit, Nerven und Lebensqualität in Form von vernünftigen Beziehungen und Zukunftsperspektiven haben alle Beteiligte gewonnen bei einer freiwilligen Einigung im Rahmen einer Mediation verglichen mit einer streitigen Entscheidung vor Gericht. Dass zudem häufig auch alle Beteiligten zu finanziellen Gewinnern werden zeigen viele Beispiele in der Praxis. Da hat sich eine Erbengemeinschaft über die Zuordnung, Verwendung und den preislichen Ansatz eines Baugrundstückes in Spanien nicht einigen können. Nach einiger Zeit wurde die notwendige Grundstücksgröße von Baugrundstücken heraufgesetzt und die Erbengemeinschaft hat von heute auf morgen praktisch den ganzen Grundstückswert eingebüßt. Im gemeinsam geerbten Unternehmen wird die Modernisierungsentscheidung blockiert – zwei Jahre später ist das Unternehmen nicht mehr konkurrenzfähig.

Der Unterschied zwischen Schlichtung und Mediation
Während im Rahmen einer Schlichtung in einem bestimmten außergerichtlichen Verfahren einer bestimmten sachkundigen Person, dem Schlichter, die Entscheidungskompetenz zuerkannt wird besteht bei der Mediation nicht die Gefahr, dass zum Nachteil eines Beteiligten entscheiden wird. Dem Mediator kommt eher die Rolle des Moderators zu und der Erfolg der Mediation ist davon abhängig, dass alle Beteiligten sich auf eine gemeinsame Lösung einigen.

Wie läuft die Mediation ab?
Im wesentlichen sind dies fünf Phasen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen.
1. Abschluss eines Mediationsvertrages mit verbindlichen Regeln
2. Bestandsaufnahme des Sachverhaltes und Vorsondierung der Rechtslage
3. Sammeln der Streitpunkte, deren Gewichtung und Erkundung des Hintergrundes der     Konfliktpunkte sowie einzelner Bedürfnisse
4. Konfliktbearbeitung mit Entwicklung von konsensfähigen Regelungsalternativen
5. Entwurf und Abschluss einer rechtsgültigen Vereinbarung

Die Kosten der erbrechtlichen Mediation
Die Kosten der anwaltlichen Mediation sind jedenfalls erheblich geringer als die einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Gemeinhin wird die Gebühr für die Erstellung eines Rechtsgutachtens einerseits und sodann für die Mediationsstunden ein Stundenhonorar in der Höhe von 300,00 DM vereinbart.

Bei durchschnittlich nötigen 5 bis 10 Mediationsstunden ergeben sich so Mediationskosten im Regelfall zwischen 3.000 DM und 10.000 DM. Die streitige gerichtliche Auseinandersetzung kostet die Beteiligten ein Mehrfaches.


Günter Menth
Rechtsanwalt / Abogado inscrito

strichel_hori

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