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Erbrecht-Flickwerk bei den Patchwork-Familien  zurück
strichel_hori
Unsere Gesellschaft ist im Wandel. Über 30 % der Ehen werden geschieden und viele Kinder wachsen in neuen Lebensgemeinschaften eines Elternteiles mit einem neuen Partner und oft zusammen mit weiteren Kindern dieses neuen Ersatzelternteiles auf. Hier ist eine sogenannte Patchwork-Familie entstanden. Das ist eine soziale Realität, die unser Rechtssystem nur langsam und schrittweise in den Griff bekommt.

Nach wie vor gilt der Grundsatz, dass Stiefeltern und Steifkinder, - oft eine reale Eltern-Kind-Beziehung -, nicht miteinander verwandt und damit auch nicht wechselseitig erbberechtigt sind.

Künftige Pflichtteilsrechte für Stiefkinder?
Dies ist eine der Reformüberlegungen, welche aktuell erwogen werden.

Die Berechtigung eines solchen Stiefkindpflichtteilsrechtes ist umso mehr in denjenigen Fällen evident, in welchen der Stiefelternteil zuvor das Vermögen des leiblichen Elternteils nach dessen Vorversterben geerbt hat.

Die Enterbung des leiblichen Kindes in der Praxis
Bei Vorvererben des leiblichen Elternteils vor dem Stiefelternteil geht nämlich aufgrund des gesetzlichen Erbrechtes und Pflichtteilsrechtes des neuen Ehegatten in jedem Fall ein erheblicher Vermögensanteil des wieder verheirateten leiblichen Elternteiles auf den neuen Ehegatten über. Nach diesem Stiefelternteil erben aber nur noch dessen Verwandte, insbesondere dessen Kinder. Das leibliche Kind des vorverstorbenen Elternteils geht, auch dann wenn das gesamte Vermögen von seinem leiblichen Elternteil stammt, leer aus.

Wie kann die gerechte Lösung bei Patchwork-Familien aussehen?
Neben der Möglichkeit der Adoption des Stiefkinds gibt es hier vor allem auch die Möglichkeit, lebzeitiger und erbrechtlich frühzeitiger Vermögensgestaltungen, um das meist nicht adäquate gesetzliche Erbrecht abzuändern.

Im Einzelfall kann eine vorgezogene Schenkung an das leibliche Kind oder ein Ehegattentestament mit erbrechtlicher Gleichberechtigung aller Kinder die Lösung sein.

strichel_hori

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