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Der „Wettlauf“ zwischen Vollmachtsinhabern und Erben:
Wer hat den ersten Zugriff auf die Bankkonten in Deutschland
und Spanien?

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strichel_hori

Hier gibt es grundlegende Rechtsunterschiede im deutschen und spanischen Vollmachtsrecht.

Der Grundsatz: In Deutschland gilt das deutsche Vollmachtsrecht, in Spanien kommt das spanische zur Anwendung.

Während in Spanien jede Vollmacht, - grundsätzlich auch eine in Deutschland erteilte notarielle -, mit dem Versterben des Vollmachtgebers ihre Rechtswirksamkeit verliert, wirkt die Vollmacht in Deutschland über den Tod des Vollmachterteilers dann hinaus, wenn dies nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist.

In beiden Ländern gilt: Der Erbe tritt zum Zeitpunkt des Versterbens des Erblassers in dessen Rechtsposition ein.

Um tatsächlich diese Rechtsposition auszuüben, muss sich der Erbe in Deutschland per Erbschein und in Spanien durch eine Erbschaftsannahme, als solcher legitimieren oder ausweisen können.

Bis sich der Erbe allerdings legitimieren kann, geht entsprechend Zeit ins Land, meist mehrere Monate.

In Deutschland kann und muss die Bank Kontoverfügungen der als Bevollmächtigen ausgewiesenen Person, auch bei Kenntnis des Erbfalles und gegebenenfalls der Erben, immer dann ausführen, wenn kein offensichtlicher Missbrauch vorliegt.
Dies gilt auch für postmortale Überweisungen des Bevollmächtigten vom Erblasserkonto auf das eigene Konto des Bevollmächtigten.

In Spanien hingegen darf die Bank nach Kenntnis des Erbfalles keine Kontoverfügungen einer lediglich bevollmächtigten Person mehr ausführen.
Tut sie dies gleichwohl, so begibt sie sich in ein doppeltes Haftungsrisiko:
Sowohl gegenüber den Erben wie auch gegenüber dem spanischen Finanzamt, soweit dieses hierdurch seine Erbschaftssteueransprüche nicht realisieren kann.

Trotzdem kann der Erbe auch in Spanien zu spät kommen. Dann etwa, wenn er bei eigenem Wohnsitz ausserhalb Spaniens erst verspätet vom Erbfall erfährt und dieser der kontoführenden Bank auch nicht auf anderem Weg, - nachweisbar -, zur Kenntnis gebracht wurde.
Dann ist der lebzeitig Bevollmächtigte rechtspraktisch in der Lage, weiter über die Kontengelder des Verstorbenen zu verfügen.

In beiden Ländern liegt es bei potenziell missbräuchlich verfügenden Vollmachtsinhabern nahe, aus Erbensicht umgehend allen Banken das Ableben des Erblassers unverzüglich mitzuteilen oder mitteilen zu lassen, möglichst mit der Sterbeurkunde und vorsorglichem Vollmachtswiderruf gegenüber dem Geldinstitut wie auch gegenüber dem Bevollmächtigten mit Zugangsnachweis.

Im Interesse des Bevollmächtigten und auch des Erblassers kann es in Deutschland liegen, noch zeitnah nach dem Versterben Kontoverfügungen zu tätigen, um auftragsgemäss lebzeitige oder postmortale Verpflichtungen zu tätigen.



Günter Menth
Rechtsanwalt & Abogado inscrito
Manacor – Mallorca / Spanien
Tel.: 0034 - 971 - 55 93 77
Fax: 0034 - 971 - 55 93 68
e-mail: info@erbrechtskanzlei-spanien.de
Internet: www.erbrechtskanzlei-spanien.de

strichel_hori

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